Die Welt des Werner Pokorny

*1949 Mosbach, lebt und arbeitet in Ettlingen



Leben

Von 1971 bis 1976 studierte Pokorny an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei den Professoren Baschang, Kalinowski und Neusel. 1974 bis 1976 studierte er Kunstgeschichte an der Universität Karlsruhe und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Im Anschluss war Pokorny zunächst als Kunsterzieher tätig. Er erhielt 1984 den Albert-Haueisen-Kunstpreis (Förderpreis) und 1989 ein Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg. Von 1989 bis 1990 hatte Pokorny eine Gastprofessur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe inne, in den Jahren 1998 bis 2013 eine Professur für allgemeine künstlerische Ausbildung, Schwerpunkt Bildhauerei, an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. 2004 erhielt er den blueOrange Preis der VR–Bank Aalen, 2013 wurde er mit dem Hans-Thoma-Preis ausgezeichnet, einem Preis, mit dem das Land Baden-Württemberg alle zwei Jahre einen Künstler der Bildenden Kunst für sein Lebenswerk auszeichnet.

Pokorny nahm an zahlreichen Bildhauersymposien teil, u.a. 2006 am Busan Sculpture Project, Biennale Busan, Südkorea.

Pokorny ist 1. Vorsitzender des Künstlerbundes Baden-Württemberg und Mitglied des Deutschen Künstlerbundes.
Pokorny lebt und arbeitet in Ettlingen.



Werk

Sein Zugang zur Kunst ist der Versuch, eine Frage zu formulieren, die zugleich Antwort ist, und eine Antwort zu formulieren, die zugleich Frage ist. [Helmut A. Müller 2008]

Ob in parkähnlichen Situationen oder vor Bürohausfassaden im städtischen Raum: Pokornys Arbeiten setzen Zeichen. Gegenüber einer allgemein einsichtigen Bedeutung stehen bei ihm die Form des Zeichens und ihre Interpretierbarkeit im Vordergrund. Die Bedeutung der jeweiligen Zeichen zu finden überlässt Pokorny der individuellen Befindlichkeit des Betrachters. Ambivalenzen reizen ihn dabei besonders. Ein immer wiederkehrendes Chiffre in seinen Arbeiten ist beispielsweise das Haus - mal vollvolumig, mal auf sein zweidimensionales Profil reduziert, mal nur als Umrisslinie. Peter Joch sieht Pokornys Häuser als Chiffre des »Ichs«, der Psyche (siehe [BBJ 07]). Wie oft steht das Haus bei Pokorny Kopf oder kippend auf einer Ecke - einer Existenz in Gefährdung gleich! Oder auch das Haus im Kreis: rollend gedacht, wechseln sich "Auf" und "Abs" ab, vergleichbar dem Kreislauf von Ying und Yang. Dann seine Häuser, die er mit dynamisch geschwungenen Linien im Raum - Wurzeln oder Entwicklungslinien gleich - kombiniert: das ruhende, selbstgewisse Ich als Ausgangspunkt für die Exploration der Welt? Oder ist es umgekehrt? Führt erst die Reflexion der mannigfältigen Erfahrungen in einem Leben zu einem in sich ruhenden, gelassenen Ich? "Formal klare, einfach zu beschreibende skulpturale Grundelemente erzeugen sprechende Verunklärungen, kochkomplexe Gedankenfiguren zu den Themen »Ich«, »Autarkie« und »Dialog«. Genau dieser scheinbare Widerspruch ist vielleicht das Faszinosum im Werk von Werner Pokorny," schließt Joch seinen Aufsatz mit dem Titel Anthropologie in Stahl.

Es ist (..) die Stimmung, die versucht, herauszufinden, wie weit sich Dinge reduzieren lassen, wie weit sie sich durch Vereinfachungen, durch grundätzlichere Formen zum Schwingen bringen lassen und emotional wahrnehmbar werden. [Werner Pokorny 2008]

Ein anderes Element in der Formensprache Pokornys ist die sogenannte durchbrochene Form, meist eine flächige Form mit einer Art von Sichtschlitzen. Die durchbrochene Form wird in der Regel mit der Hausform kombiniert: man findet sie in der einen Arbeit sich lose berührend, in einer anderen Arbeit zu einer neuen Form fest zusammengefügt. So wie die Hausform auch die Bedeutung der Abschottung in sich trägt, so kann die durchbrochene Form für das Sich-Öffnen und das Durchlassen stehen, für das sich dem Fluss des Lebens Hingeben im Sinne von seine Aufgaben anzunehmen, ohne zu resignieren und ohne sich dagegen zu stemmen [Eckhart Tolle].

Kunst ist ein Spiel und ein Versuch. [Werner Pokorny 2008]

Für den öffentlichen Raum sind Pokornys Arbeiten insbesondere durch die ihnen eigene Dynamik attraktiv. Diese Dynamik resultiert zum einen aus jenen Bögen, deren Krümmung oft zur Spitze hin noch zunimmt, zum anderen aus der vielfach labilen Position, in der die Arbeiten im Boden verankert sind.

Einen Sockel benötigen Pokornys Arbeiten nicht - vielmehr scheinen sie auf dem Boden zu tanzen. Der Ort, an dem sie stehen, wird zur Bühne.



Einzelausstellungen (Auswahl)

Zu den mit "K" gekennzeichneten Ausstellungen erschien ein Katalog.

1981 Kunstverein Ludwigsburg (mit Uwe Lindau und Rainer Braxmaier);
Kunstverein Rastatt (mit Uwe Lindau und Peter Weitz)
1987 „Skulptur in der Stadt“, Ludwigsburg
1987 „Karlsruher Ateliers“, Kunstverein KarlsruheK
1992 Kunstforum Schorndorf
1994 „Skulptur in der Stadt“, Kunstverein Göppingen
1995 Städtische Galerie GöppingenK (mit Stefan Pietryga und Wolfgang Bier)
1996 Heidelberger KunstvereinK;
Ritterhausmuseum Offenburg;
Schlossgarten Bruchsal / Kunstverein "Das Damianstor", Bruchsal
1997 Marstall des Residenz-Schlosses Rastatt (mit Hartmut Gampp);
Forum Kunst, Rottweil
1999 Städtische Galerie am Markt und „Forum“ der Bausparkasse Schwäbisch HallK
2002/03 Städtische Museen Heilbronn / Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft Freiburg i.Br. / Saarland Museum SaarbrückenK
2005 Mönchehaus Museum, Goslar
2007/08 Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern / Städtisches Kunstmuseum Singen / Kunsthalle DarmstadtK
2008 Hospitalhof StuttgartK
2009 Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon
2011 H2 -Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast, AugsburgK
2012 Skulpturen im Park, Mörfelden-WalldorfK
2013 Hans-Thoma-Kunstmuseum, Bernau im SchwarzwaldK
2016 Skulpturenpark HeidelbergK
2017 Farbe & Körper im Raum: Michael Cleff & Werner Pokorny, Kunstmuseum Ahlen / Westfalen;
Museum im Kleihues-Bau, Kornwestheim (27. Oktober 2017 bis 7. Januar 2018)


Literaturhinweise

[Hol 13] Johan Holten, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden (Hrsg.): Werner Pokorny. play it again …
Verlag Das Wunderhorn GmbH, Heidelberg, 2013. Anlässlich der Verleihung des Hans-Thoma-Preises 2013 des Landes Baden-Württemberg für Bildende Kunst an Werner Pokorny am 11. August 2013 und der Ausstellung im Hans-Thoma-Kunstmuseum, Bernau im Schwarzwald, 11.08 – 22.09.2013.
[BBJ 07] Buhlmann, B.E., Bauer, C., Joch, P. (Hrsg.): Pokorny - Die Stahlplastiken. Anlässlich der Ausstellung "Werner Pokorny - Holz und Stahl" 2007 in der Pfalzgalerie Kaiserslautern, im Städtischen Kunstmuseum Singen und in der Kunsthalle Darmstadt. [Buchbesprechung] [Der Band hat die Qualität eines Werkverzeichnisses zu Pokornys Stahlplastiken, allerdings mit durchweg großformatigen, farbigen Abbildungen. Exemplarisch nimmt er auch die Querbezüge zu den Holzskulpturen auf. Mit Biografie, Ausstellungsverzeichnis und Bibliographie]
[PMU 02] A. Pfeiffer, F.A. Morat, E.W. Uthemann (Hrsg.): Pokorny - Die Holzskulpturen. Edition Braus, 2002. Anlässlich der Ausstellugen in den Städtischen Museen Heilbronn, dem Morat-Institut für Kunst, Freiburg, und dem Saarlandmuseum, Saarbrücken. [Buchbesprechung] [Dieser Band hat die Qualität eines Werkverzeichnisses der Holzarbeiten des Künstlers, allerdings prächtig ausgestattet mit vielen großformatigen Abbildungen, z.T. sogar doppelseitig. Bis auf einige wenige ältere bzw. kleinformatige Abbildungen durchgängig farbig. Mit Biografie, Ausstellungsverzeichnis und Bibliographie]
[Mü 08] Helmut A. Müller: Werner Pokorny im Hospitalhof Stuttgart. Edition Hospitalhof Stuttgart, 2008. Anlässlich der Ausstellung im Hospitalhof Stuttgart 2008. [mit einem längeren Interview mit dem Künstler]


Weblink




Dr. Emden-Weinert Version 1.7 created: 2009/10/10, last changed: 2017/10/16