Von der Fläche in den Raum

Was aus einem simplen Rechteck oder Kreis alles werden kann! Den Skulpturen, denen dieser Streifzug gewidmet ist, liegt jeweils eine einfache, zweidimensionale, elementargeometrische Form zugrunde - meist ein Rechteck oder ein Kreis. Aus dieser entsteht durch Zerschneiden, Brechen oder Biegen sowie ggf. Walzen oder einfach nur Neuarrangieren der entstandenen Teile eine oft verblüffend komplexe, dreidimensionale Skulptur. Das betrachtende Auge sucht unwillkürlich, aus den Teilen - einem dreidimensionalen Puzzle gleich - das zugrundeliegende Ganze zu rekonstruieren. Ist die Skulptur auf diese Weise erst einmal entschlüsselt, sieht man das Komplexe nicht mehr, ohne das verbindende Ganze mitzudenken.

Vielleicht der erste Künstler, der mit der Idee "von der Fläche in den Raum" arbeitete, war Alexander Rodtschenko mit seinen Raumkonstruktionen (1918 bis 1921).

"...dass die komplizierte Form restlos in einer einfachen Gestalt 'aufgeht'."
"Wir können bei dem, was wir sehen, nicht stehenbleiben."
[Erich Franz: James Reineking - Skulpturen. Ausstellungskatalog, Kunsthalle Bielefeld, 1980]

"Though the sculptures are static, the mind of the viewer charges along vectorial paths to search out associations, depicted and implied. Like the [mathematical] equation there is unity, balance, and a captivating logic that holds the viewer on a course of discovery."
[Michael H. Smith: James Reineking - Physical Lines of Thought. In: (Ausstellungskatalog) Baxter Art Gallery, California Institute of Technology, Pasadena, 1980]

Die verschiedenen, in diesem Streifzug vertretenen Künstler gehen dabei ganz unterschiedlich vor. Richard Serra beispielsweise lässt große Bleche in Stahlwerken walzen. Karl Menzen andererseits schneidet in eine Fläche ein und verbiegt dann kalt - mit Hilfe eines 60 t-Krans und Gegengewichten von bis zu 40 t. Günter Wagner wiederum zertrennt das Stahlblech mit einem Laserschneider und lässt die Teile im festgelegten Winkel wieder zusammenschweißen und verschleifen. Diesen Prozess möchten die Künstler natürlich sehr genau überwachen, um jeder Zeit regulierend eingreifen zu können. Hier ist ein eingespieltes Team gefragt.


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Weiterführende Informationen

Nadine Lorenz: Gleiches ungleich. Zum Thema der Formvariation und Massenäquivalenz in der Stahlplastik der 1970er/1980er Jahre in Deutschland.
LIT Verlag Dr. W. Hopf, Berlin, 2009, Reihe: Theorie der Gegenwartskunst, Band 17
[Magisterarbeit an der Universität Stuttgart, 184 S.]
[Scan auf Google Books]



Danksagung

Mein herzlicher Dank geht an Michael Türschmann und Günter Pilger, die mir Anregungen zu diesem Streifzug gaben und auch eigene Fotos beisteuerten.







Dr. Emden-Weinert created: 2009/07/19, last changed: 2020/03/02