Eisen und Stahl - kraftvoll und energiegeladen

Die moderne Plastik nutzt - wie der Ingenieurbau - insbesondere die mechanischen Eigenschaften des Stahls aus: lässt doch seine Härte gewagte, freischwebende Konstruktionen zu, die der Phantasie und dem Ausdruck des Künstlers kaum Grenzen setzen (man vergleiche etwa bei Henry, Shapiro oder Di Suvero). Während die Skulptur vormals - mehr oder weniger - auf den Block oder den Stamm und dessen vorgegebenes Volumen beschränkt war, erobert sich die Skulptur mit Hilfe des Materials Stahl den Raum: sie greift aus in den Raum, sie umgreift den Raum. Statt Material wegzunehmen, wird nun - wie in der Plastik - hinzugefügt und zusammengefügt, wobei die einzelnen Teile aus Fundstücken, bis hin zu Schrott, bestehen können oder aus industriellen Halbfertigzeugen oder vom Künstler individuell bearbeitet (geschnitten - gebogen - gewalzt) werden. Gegenüber der Bronze lassen Eisen und Stahl dem Künstler mehr Raum, intuitiv - im Dialog mit dem Werkstück - zu arbeiten, da der Fertigungsprozess deutlich schneller und flexibler ist. Später gesellt sich auch der Metallguss als Verfahren hinzu.

Vielleicht am dichtesten wird die Stahlplastik dort, wo sie mit der Härte und dem Gewicht ihres Materials zu kokettieren und zu tanzen scheint (vgl. Bernhard), ihr Stahlkorsett scheint sprengen zu wollen (vgl. Hauser) oder die schieren Kräfte zur Schau stellt, die bei ihrer Formung nötig waren (vgl. Chillida).

Dieser Streifzug durch die moderne Skulptur möchte einen Eindruck davon vermitteln, zu welch je eigenen Ausdrucksformen es Künstler mit dem Material Eisen und Stahl gebracht haben.


Julio González:
Tête en profondeur (1930)

Julio González:
Woman with Hair in a Bun (ca. 1930)

Julio González:
La chevelure (1934)

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Julio González (1876 - 1942), in eine Familie von Metallschmieden geboren, begründet 1908 die Tradition der Skulptur aus Eisen und Stahl. Er brachte Picasso bei, wie man Metall verarbeitet, er verbandt den Kubismus mit der industriellen Metallverarbeitung [siehe dazu z.B. Ken Johnsons Beitrag in The New York Times]. González revolutioniert die traditionelle Portrait: anstatt aus einem Stein- oder Holzblock zu schneiden oder mit Ton oder Gips zu modellieren, schmiedet er einige wenige ovale und rechteckige Eisenstücke zusammen, um die Gesichtszüge anzudeuten. Seine Wirkung bezieht die Skulptur damit gerade aus dem pointierten Bezug auf das menschliche Antlitz durch die Kombination einfacher Formen. [The Art Institute of Chicago]





Bernhard-1987-Braunschweig-1.JPG Bernhard-1993-Grosse-Mannheimerin.jpg Calder-1971-Hallebardier.JPG Chillida-1976-Peine_del_Viento_XV-a.JPG
Chillida-1976-Peine_del_Viento_XV-c.JPG Chillida-1976-Peine_del_Viento_XV-d.JPG Chillida-1996-Besarkada_X-1.JPG Chillida-1996-Besarkada_X-2.JPG
Chillida-1996-Besarkada_X-3.JPG Chillida-1996-Besarkada_X-4.JPG Di_Suvero-1996-Racine_du_Naos.JPG Di-Suvero-1992-Allume.JPG
Hageboelling-1980-Bodenstueck.jpg Hauser-1977-6.jpg Hauser-1981-5-detail.JPG Hauser-1981-5-total.JPG
Hauser-1987-Stahlskulptur.JPG Henry-2000-Symphony_in_red.JPG Henry-2000-Symphony_in_red-detail.JPG Nierhoff-2003-Rotation.JPG
Pokorny-1994-9_Pfeiler_aufrecht-1.JPG Pokorny-1994-9_Pfeiler_aufrecht-2.JPG Serra-View_Point.jpg Shapiro-1996-Untitled.JPG
Suter-1977-Attila-01_t.jpg

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