Skulpturenpark Schloss Philippsruhe, Hanau

Der exquisite Skulpturenpark am Schloss Philippsruhe in Hanau geht auf vier sogenannte Stadtbildhauer-Wettbewerbe 1986, 1988, 1990 und 1992 zurück, die bedeutende Stahlbildhauer an den Main holten, darunter Michael Croissant, Alf Lechner, Heinz-Günter Prager und James Reineking. Für das Material Holz stehen die Bildhauer Klaus Simon und Claus Bury, für das Material Stein Nikolaus Gerhart und Edgar Gutbub. Dorothee von Windheim arbeitete in Bronze, Franz Erhard Walthers Installation ist aus Stahl. Die Künstler arbeiteten ortsbezogen, Material und Herstellungskosten waren durch die Einladung zum Wettbewerb gedeckt. Ihre Werke wurden - bis auf die Arbeit von Gutbub - im Schlosspark aufgestellt. Der Gewinner des Wettbewerbs, von einer unabhängigen Jury benannt, erhielt den Titel Stadtbildhauer der Stadt Hanau; seine Arbeit wurde von der Stadt angekauft. Glücklicherweise verblieben auch alle anderen Arbeiten vor Ort (wenn auch einige ans Mainufer versetzt wurden). Später gesellten sich zu den auf die Wettbewerbe zurückgehenden Arbeiten weitere Skulpturen, so z.B. eine Arbeit von Gerson Fehrenbach. Die im Schlosspark und um ihn herum aufgestellten Skulpturen sind allesamt frei zugänglich, im Ehrenhof und im Schlosspark allerdings nur bis zum Einbruch der Dunkelheit.

Initiator der Stadtbildhauer-Wettbewerbe waren der gebürtige Hanauer Klaus Remer, seit 1985 Kulturdezernent der Stadt Hanau, und der bei Gelnhausen im Kinzigtal geborene Künstler Claus Bury, der lange Jahre im Teepavillon im Schlosspark Philippsruhe ein Atelier hatte. Als Kulturstadtrat rief Remer später unter anderem auch die Hanauer Märchenfestspiele, den Kultursommer oder die „Philippsruher Schlosskonzerte“ ins Leben. Bury - heute bekannt insbesondere für seine architektonischen Holzskulpturen in der freien Landschaft - hatte 1984 schon eine Einzelausstellung im Museum Ludwig, Köln. 1986 stellte er im Wilhelm-Lehmbruck Museum, Duisburg, aus, 2016 widmete ihm das Historische Museum Hanau eine Einzelausstellung im Schloss Philippsruhe.

Der Kunstförderpreis für Skulptur und Plastik, den Remer und Bury ins Leben riefen, sollte alle zwei Jahre vergeben werden - im Wechsel mit dem Brüder-Grimm-Preis der Stadt. Auf Vorschlag von Claus Bury wurden 1986 James Reineking, Michael Croissant und Klaus Simon eingeladen, für einen selbst gewählten Ort im Park eine Arbeit zu schaffen. In der Jury saßen u.a. Dr. Christoph Brockhaus (Wilhelm-Lehmbruck Museum, Duisburg) und Leo Kornbrust. James Reineking, Stadtbildhauer von 1986, lud dann zwei Jahre später die Künstler Nikolaus Gerhart, Alf Lechner und Heinz-Günter Prager nach Hanau. Die Jury entschied sich 1988 für Alf Lechner als Stadtbildhauer der Stadt Hanau. Leo Kornbrust lud für den 1990er Durchgang Claus Bury, Edgar Gutbub und Dorothee von Windheim ein (und schied damit aus der Jury aus). Die Jury wählte Claus Bury zum Stadtbildhauer von Hanau 1990. Die Arbeit "Skulptur für Hanau" von Edgar Gutbub steht auf dem Gelände des Deutschen Friedhofs an der Nussallee (Innenstadt). Der vierte Wettbewerb im Jahr 1992 mit den Teilnehmern Franz Erhard Walther, Micha Kuball und Jakob Mattner blieb ohne Publikation.

Der 1988er Katalog vermerkt, dass «die Arbeiten des ersten Durchgangs wenig Akzeptanz in der Hanauer Öffentlichkeit gefunden haben» und «zu Auseinandersetzungen und Protesten führten (...). Andererseits [ist] die wachsende Bereitschaft zu einer konstruktiven Auseinandersetzung mit der Moderne zu bemerken, die sich nicht zuletzt darin zeigt, dass es keine Aggression gegenüber den Arbeiten des zweiten Durchgangs gibt.»

Mit Mitteln der Hanauer Sparkassenstiftung war es ab dem Jahr 2005 möglich, einige der Kunstwerke wiederherzurichten. Beim Engpass von Claus Bury beispielsweise wurde das Fichtenholz durch die witterungsbeständigere Douglasie ersetzt. Nichtsdestotrotz musste sie 2015 witterungsbedingt abgebaut werden.

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Danksagung

Ich danke der Stadt Hanau, Fachbereich Kultur, für die freundliche Unterstützung bei der Recherche für diesen Katalog, insbesondere Herrn Richard Schaffer-Hartmann, ehemaliger Leiter der Museen der Stadt Hanau, sowie Herrn Jörg Eyfferth, Leiter des Hanauer Kulturvereins.







Weiterführende Hinweise







Siehe auch