Die Welt des Robert Schad

*1953 Ravensburg, lebt und arbeitet in Larians (F)




«Durch die Verwendung von Vierkantstahl in einem konstant gleichen Materialquerschnitt, den ich in fast ungegrenzter Vielfalt schneiden und verschweißen kann, habe ich mir eine organische Sprache erschlossen, die vom Schreiben, von der Bewegung her kommt. Oft fließen in die Formung auch körperliche Urhaltungen ein, die ich in mir empfinde. Ich spüre die Bedeutung, die die Gelenke für meine Bewegung haben. Ähnliches lässt sich für die Skulpturen sagen, wo ich durch Schweißen Gelenke herstelle, wenn zwei Bewegungslinien miteinander verbunden werden.»
[Robert Schad,
zitiert nach
Kunstverein Göppingen]

Werk

Schads Skulpturen - Zeichnungen im Raum gleich - scheinen vom Boden losgelöst, sie erkunden den Raum. Anstatt den Raum zu besetzen - transformieren sie ihn: in Bewegung. So wie sie das Material, den Stahl, aus dem sie gefertigt sind, transformieren: in Leichtigkeit. Robert Schad arbeitet auch mit Tänzern (z.B. Fine Kwiatkowski) und Choreographen zusammen und dreht Videofilme.


Leben

Schad wuchs in Berg auf, in Ravensburg ging er zur Schule. Bereits während des Studiums an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe entdeckte er das Material Stahl für sich. Im Rahmen eines Wilhelm Lehmbruck-Stipendiums fertigte er erste monumentale Arbeiten für den Außenraum. 1989/90 hatte Schad eine Gastprofessur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart inne. Bekannt wurde Schad nicht zuletzt durch die Auseinandersetzung um den Schad-Brunnen (1992) auf dem Ravensburger Marienplatz.

Seit 2000 lebt und arbeitet Robert Schad in Larians im Departement
Haute-Saône in Frankreich. 2004 eröffnete er dort seinen eigenen
Skulpturenpark.


«Ich mag jede Form von Bewegung. Bewegung bedeutet Leben. Nun ist Stahl ja das Material aus dem Maschinen, Waffen und Hallen gebaut werden. In meiner Arbeit versuche ich, dem Stahl die Kälte und Härte zu nehmen, indem ich ihn so zusammenbaue, dass er an was Körperliches oder Pflanzliches erinnert. Manche Skulpturen, wie auch mein Ravensburger Brunnen sehen so aus, als wäre Zeit stehengeblieben, als wäre ihre Bewegung angehalten. Die menschliche Bewegung nachzeichnen, das tue ich jedoch nicht. Viel eher kann der Mensch meinen Stahlbewegungen folgen, sie nachtanzen. Mir geht es hauptsächlich darum, verschiedene Formen von Lebenslinien zu finden, die manchmal sehr ruhig und manchmal sehr heftig sein können - eben wie das Leben selber.» [Robert Schad (Quelle)]

Auszeichnungen und Preise (Auswahl)

1980-81 Stipendium des DAAD für einen Arbeitsaufenthalt an der Escola Superior de Belas Artes, Porto/Portugal
1982 Preis für Zeichnung der III. Biennale für zeitgenössische Kunst, Vila Nova de Cerveira / Portugal
1984 Stipendium der Kulturstiftung Baden-Württemberg
1985 Förderpreis der Stadt Wolfsburg
1986 Förderpreis der Städte Ravensburg und Weingarten;
Kunstpreis der Stadt Nordhorn;
1. Menció im XXV. Internationalen Preis für Zeichnung Joan Miró, Barcelona
1987 Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds e.V., Bonn
1988 Stipendium der Cité Internationale des Arts, Paris
1989-90 Großer Preis der II. Internationalen Biennale für Bildhauerei in Obidos / Portugal;
Wilhelm Lehmbruck-Stipendium der Stadt Duisburg

«Meine Arbeit steht im Spannungsfeld zwischen Bewegung und Starre, optischer Leichtigkeit und physischer Schwere, Wachstum und Konstruktion. In der Überbrückung dieser scheinbar unüberwindlichen Gegensätze entstehen in den Raum geschriebene Wesensbilder physischer und psychischer Befindlichkeit, die im Dialog mit der Natur und Architektur Brücken schlagen, trotz stählerner Starre Zeit vermitteln - Zeit, ohne die Bewegung und Veränderung undenkbar ist.» [Robert Schad]

Einzelausstellungen (Auswahl)

Zu den mit «K» gekennzeichneten Ausstellungen erschien ein Katalog.

1981 Centro Cultural 'Edificio Chiado', Coimbra (Portugal)
1983 Goethe-Institut, Lissabon / Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
1986 Städtische Galerie Nordhorn; Fundació Joan Miró, Barcelona; Städtische Galerie Wolfsburg
1988 Robert Schad: Raumzeichnungen in Stahl. Hans Thoma-Ges. Reutlingen / Künstlerhaus Palais Thurn + Taxis Bregenz / Kunstverein BochumK
1989 Staatliche Kunsthalle Karlsruhe; Akademie der Künste Berlin
1990 Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg
1991 Museum am Ostwall, Dortmund; Edwin-Scharff-Haus, Neu-Ulm; XXI Biennale von Sao Paulo
1992 Musée des Beaux-Arts, Mülhausen
1993 - 1994 Skulpturenmuseum Glaskasten Marl / Städtische Kunsthalle Mannheim / Kunstverein BraunschweigK
10/1996 - 2/1997 Robert Schad: movimentos, Museu Brasileiro da Escultura, São Paulo / Centro Cultural da Universidade Minas Gerais, UFMG, Belo Horizonte / Paço Imperial, Rio de Janeiro.K
1997 Museion Bozen; Centro de Arte Moderna José de Azeredo Perdigao, Lissabon
5/1998 - 5/1999 Robert Schad : Körper - Denken. Städtische Galerie Göppingen / Muzeum Sztuki, LódzK
1999 Mücsarnok Kunsthalle Budapest; Museum Sztuki, Lodz / Polen
2001 Museum für Neue Kunst, FreiburgK; Musée Minal Hericourt
2003 Städtisches Kunstmuseum Singen; Skulpturenmuseum Glaskasten, Marl; Städtisches Museum Mülheim an der Ruhr; Pfalzgalerie Kaiserslautern; Skulpturengarten am Klostersee Lehnin
2004 Park des ehemaligen Klosters Schussenried, Bad Schussenried (Landkreis Biberach)
5/2005 - 2006 Robert Schad: Stahl-Zeit, Ludwig Museum im Deutschherrenhaus, Koblenz / Kiscelli Muzeum, Budapest / Musée d'Art Contemporain Deutsch Foundation, Lausanne / Tschechische Nationalgalerie Prag.K Mehr...
2007 Factory Kunsthalle Krems / Kulturforum Schorndorf
2009 Robert Schad in Schorndorf. (Kulturforum Schorndorf sowie im öffentlichen Raum)K
11/2009 bis 9/2010 Robert Schad - Der Linie lang / Through the Line. Wanderausstellung im Kunstverein Reutlingen / Städtische Galerie Offenburg / Mönchehaus Museum Goslar / Egon Schiele Art Centrum, Cesky Krumlov / Kunsthalle Ziegelhütte AppenzellK
2012 Tanz, Skulpturenpark HeidelbergK
2013 TANZ_3: Robert Schad in Linz
2014 Kunstverein Villa Wessel, Iserlohn
Tanz IV. Skulptur. Stahl. Stadt. LandshutK
2015 Robert Schad - Durch den Körper, durch den Raum.
Museum Lothar Fischer, Neumarkt in der Oberpfalz
2016 Robert Schad en Finisterre: 50 monumentale Skulpturen im Freien, verteilt über die Chemins du Patrimoine en Finistère, das Festival Arts à la Pointe, die Compagnons de l’Abbaye de Bon-Repos und das Maison Penanault
2017 Kunstmuseum Ravensburg;
Robert Schad - Percurso Lusitano (zu deutsch etwa: "ein Lauf durch Portugal"): 57 Skulpturen an 20 Orten, verteilt über ganz PortugalK


Bei Schad wird der Stahl zur Handschrift, zur Bewegungslinie, zur dreidimensionalen Zeichnung im Raum. Mal tänzerisch leicht, mal explosiv und energiegeladen entfalten sich die Linien, verdichten und überlagern sich. [aus: Stahl-Zeit, Hrsg. B. Reifenscheid]

Literaturempfehlung

[BJROS 09] Robert Schad - Der Linie lang / Through the Line. Hrsg. Gerlinde Brandenburger-Eisele, Hana Jirmusova, Bettina Ruhrberg, Clemens Ottnad, Roland Scotti. Kerber Art, 2009 [Rezension] [anlässlich der Wanderausstellung im Kunstverein Reutlingen / Städtische Galerie Offenburg / Mönchehaus Museum Goslar / Egon Schiele Art Centrum, Cesky Krumlov / Kunsthalle Ziegelhütte Appenzell, zwischen 9/2009 und 9/2010, deutsch/englisch, 29 x 22.7 cm, reich ill.]
[Reif 05] Robert Schad - STAHL-ZEIT. Hrsg: Beate Reifenscheid, Ludwigmuseum Koblenz, Modo-Verlag, Freiburg i.Br., 2005 [anlässlich der gleichnamigen Wanderausstellung, 20.5 x 26.5 cm, deutsch/englisch, farbig ill., 80 Seiten]
[MNKF 01] Robert Schad. Hrsg: Museum für Neue Kunst Freiburg, Modo Verlag, Freiburg im Breisgau, 2001. Texte von Jochen Ludwig, Isabel Herda, Johannes Odenthal [96 Seiten, 29.7 x 21 cm, deutsch, englisch, französisch, spanisch, 63 farbige Abbildungen]


«Mit meiner Skulptur kann ich Bewegungen machen und Räume durchschreiten oder durchfließen, wie ich es mit meinem Körper nie Könnte. Ich versuche also, mit meinen Skulpturen so etwas wie eine Utopie dessen zu geben, was ich selber gern machen würde, aber nicht kann.» [Robert Schad 1996]

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