Die Welt des Hans Arp

*16. Mai 1886 Straßburg †7. Juni 1966 Basel




Leben und Werk

Während seines Studiums an der Kunstgewerbeschule in Straßburg 1904 veröffentlicht Arp seine ersten Gedichte. Von 1904 bis 1908 studiert er an der Kunstschule Weimar und an der Académie Julian in Paris bildende Kunst.

Auf Einladung von Wassily Kandinsky hin beteiligt er sich 1912 am Almanach "Der Blaue Reiter". Nach Kriegsbeginn 1914 emigriert Arp, angewidert ("höllischen Spuk irdischer Verwirrung"), über Paris ins neutrale Zürich. Seine pazifistische Haltung bekundet er öffentlich.

Zusammen mit den deutschen Dichtern Hugo Ball, Emmy Ball-Hennings, Richard Huelsenbeck und den Rumänen Tristan Tzara und Marcel Janco veranstalt er 1916 regelmäßig ein dadaistisches Kabarett. Hieraus entsteht die Dada-Bewegung ("Dada" - französisch für Steckenpferdchen), die sich als Protest gegen bestehende gesellschaftliche und ästhetische Normen versteht, die die Künstler mit unkonventioneller ironischer Provokation überwinden wollten.

Er lernt er seine spätere Frau, die Schweizer Kunstgewerbelehrerin Sophie Taeuber, kennen. Es entstehen gemeinsame Klebe-, Webe- und Strickarbeiten sowie Papiercollagen. 1917 fertigt er seine ersten Holzreliefs an; dazu klebt er verschiedenfarbige - häufig einfarbige -, kurvig-rund geformte Holztafeln schichtenförmig übereinander: von der Art her weder Skulptur noch Malerei. Die Formensprache, die Arp in diesen Schweizer Jahren entwickelt, sollte auch für sein späteres Werk maßgeblich bleiben.

Hans Arp ist in einem immer dem Dadaismus und sich selber treu geblieben,
nämlich in seinem Schaffen auf dem breiten Feld zwischen der konkreten Kunst und dem Surrealismus.
Seine Kunst ist poetisch und formal. Das Poetische wird bei ihm Form, das Formale Poesie.
Schon deshalb begegnen wir bei ihm jener seltenen Vielseitigkeit des Ausdrucks
trotz Einheitlichkeit des schöpferischen Gedankens.
[Eine Würdigung von Max Bill zum 60. Geburtstag]

Nach dem Krieg lässt sich Arp 1919 in Köln nieder. Eine Freundschaft mit Max Ernst entsteht.

Anfang der 20er Jahre wendet sich Arp verstärkt dem Surrealismus zu, bleibt aber mit seinen Arbeiten abstrakt. Arp arbeitet mit Kurt Schwitters (Hannover) zusammen. Er ist Mitverfasser des Ersten Surrealistischen Manifests (Paris, 1924) und nimmt an der ersten „Surrealisten“-Ausstellung (Paris, 1925) teil. 1926 erwirbt er die französische Staatsbürgerschaft. 1929 ziehen er und seine Frau in ein eigenes, von ihr geplantes Haus nach Meudon-Val-Fleury/Clamart (nahe Paris). In der Galerie Goemans, Paris, hat er seine erste Einzelausstellung. Auf einer Reise mit Sophie Taeuber-Arp, Robert und Sonia Delaunay nach Carnac beeindrucken ihn die prähistorischen Druidensteine und Dolmen tief.

1930/31 entstehen seine ersten Rundplastiken aus Holz, Marmor und Bronze. Die weich geformten, biomorphen Formen erinnern an die Natur, ohne sie nachzuahmen.

Nous ne voulons pas copier la nature.
Nous ne voulons pas reproduire, nous voulons produire.
Nous voulons produire comme une plante qui produit un fruit et ne pas reproduire.
Nous voulons produire directement et non par truchement.
- Comme il n'ya pas la moindre trace d'abstraction dans cet art nous le nommons: art concret.
[Hans Arp]

Das Arp die Natur als 'Maß aller Dinge' begriff, spiegelt sich in seinem Oeuvre wider. Den Zufall und die Metamorphose, den Wandel der Formen, erklärte er zu seinen Gestaltungsprinzipien. Arp gilt heute als Pionier einer organisch-abstrakten Formensprache.
[Arp Museum Bahnhof Rolandseck]

1931/32 schließen er und seine Frau sich der französischen Künstlergruppe "Abstraction-Création" an. 1939 ändert er seinen Namen in Jean Arp. Er stellt gemeinsam mit seiner Frau in der Jeanne Bucher Galerie aus. 1940 wurden Arps Werke von den Nationalsozialisten als entartete Kunst eingestuft. Er und seine Frau flüchten zunächst in die Dordogne, 1942 in die Schweiz.

In den 50er Jahren erhält Arp mehrere Großaufträge: für die Harvard-Universität (monumentales Wandrelief in Holz, 1950), die Universität Caracas (1953) sowie für die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization), Paris (Relief, 1957). Zuletzt wohnte Arp in Locarno, wo er auch beigesetzt wurde. In der dortigen Pinacoteca Comunale Casa Rusca findet sich der von Arps zweiter Frau, Marguerite Hagenbach, gestiftete Nachlass Arps. Auch das Musée d’Art Moderne et Contemporain, Straßburg, besitzt ein größeres Konvolut von Arps Skulpturen, Grafiken und Buntglasfenstern.



Auszeichnungen und Ehrungen

1954 Internationaler Preis für Skulptur auf der Biennale von Venedig
1955 Teilnehmer der documenta I [sowie später der documenta II und III, 1959 bzw. 1964]
1958 umfassende Retrospektive im Museum of Modern Art, New York
1960 Ritter der Ehrenlegion
1961 Stephan-Lochner-Medaille der Stadt Köln
1961 Officier de l'Ordre des Arts et des Lettres
1962 Retrospektive im Musée National d'Art Moderne, Paris
(ging anschliessend nach Basel, Stockholm, Kopenhagen und London)
1963 Grand Prix National des Arts, Paris
1964 Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
1964 Carnegie-Preis, Pittsburgh/Pa.
1966 Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern


Literaturhinweis

[Fau 88] Serge Fauchereau: Arp. Rizzoli International Publications, New York, 1988.
[Französisch bzw. englische Übersetzung. 128 Seiten mit vielen farbigen Abbildungen]
[Har 12] Arie Hartog (Hrsg.): Hans Arp - Skulpturen. Eine Bestandsaufnahme. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, 2012.


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