Die Welt des Fritz Koenig

*20. Juni 1924 Würzburg †22. Februar 2017 Ganslberg bei Landshut



Ein Meisterwerk: The Sphere (1967-72)

...am heutigen Standort: Battery Park, New York City

[Foto: mit freundlicher Erlaubnis © 8/2007 Gianmaria Amata.
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Die 7 m hohe Plastik mit dem Werknamen Große Kugelkaryatide N.Y. - von den New Yorkern einfach "The Sphere" genannt - überstand, schwer beschädigt, den Einsturz der Türme des World Trade Centers am 11. September 2001. Im Inneren der aufgerissenen Kugel aus Bronzeblech wurden unter anderem Wrackteile der in die Türme gestürzten Flugzeuge gefunden. 2002 wurde die Plastik als Mahnmal für den 11. September im Battery Park aufgestellt. Sie gehört wohl zu den meistfotografierten Kunstwerken im öffentlichen Raum.

Obschon die Skulptur die große Brunnenanlage auf der Plaza zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers beherrschte, ergibt sich die besondere Bedeutung, die diese Skulptur für Koenig hat, dennoch nicht nur aus dem prominenten Aufstellungsort und der besonderen Geschichte. Die Skulptur markiert in Koenigs Werk einen Wendepunkt: biomorphe Elemente treffen hier - wie bei seinen "Säulenkaryatiden" - auf eine voluminöse und kompakte stereometrische Form. Spätere Arbeiten - wie etwa in den Werkreihen "Große Flora" und "Große Zwei" - öffneten die stereometrische Form (meist eine Kugel) weiter, die biomorphen Strukturen hingegen verschwanden.

Thema der 25 t schweren Arbeit ist, wie der ursprüngliche Werktitel andeutet, das Tragen und Lasten. Die kompakte Kugelform wirkt ebenso schwer wie die sie tragenden biomorphen Strukturen zerbrechlich. Anders als bei seinen "Säulenkaryatiden" allerdings durchdringen die biomorphen Strukturen die Kugel geradezu. Peter Anselm Riedl spricht von

»...der Wirkung der absichtsvollen Spannung zwischen sphärischer Reinheit und
den sich solcher Reinheit widersetzenden Formverwerfungen. (...)
Beschlossen in diesem Formdualismus war (und ist bis zu einem gewissen
Grade noch immer) eine Gestalt, die auf den Vorzeichnungen unmissverständlich
zur Anschauung kommt: nämlich die eines Totenschädels.«
[Peter Anselm Riedl, 2004]

Nachdem Koenig 1968 seinen endgültigen Entwurf vorgestellt hatte, erhielt er von der Port Authority New York den Auftrag zur Ausführung der Skulptur. Die Arbeit am Gipsmodell machte einen neuen, den Abmessungen gewachsenen Werkstattbau erforderlich. Ab 1969 wurden die einzelnen Teile der Kugel in der Bronzegießerei Hans Mayr in München gegossen. 1971 fand auf einem Werftgelände in Bremen die Endmontage statt. Von hier wurde die fertige Plastik verschifft und 1972 auf der Plaza aufgestellt.


...zwischen den Türmen des World Trade Centers, vor dem 11. September 2001

[Foto: Charlie Brewer, flickr. Lizenz: Creative Commons
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Selbstbewusst setzte sich die Große Kugelkaryatide N.Y. mit ihrer auf sich selbst bezogenen Kugelform von der eleganten, aber streng geometrischen Fassadengestaltung des World Trade Centers des japanisch-amerikanischen Architekten Minoru Yamasaki ab. Ähnlich der Erdkugel drehte sie sich - kaum wahrnehmbar - um sich selbst: eine Umdrehung in 24 Stunden. Weltfrieden durch Welthandel sollte sie symbolisieren; zum Mahnmal des Terrors - der Verletzlichkeit ebenso wie der Standhaftigkeit - ist sie geworden. [weiteres Foto] [weiteres Foto]

»Hier hatte ein Bildhauer die Kraft aufgebracht,
aus seiner Formensprache heraus - Kugel, Gelenk, Auge -
einen in sich autarken plastischen Kosmos zu schaffen,
der den Türmen nicht nur trotzte, sondern ihrer anonymen Kubik
ein allseitig reiches, individuelles plastisches Leben entgegenstellte.«
[Christa Lichtenstern, 2004]

vorher dem Anschlag

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im Battery Park

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Literaturhinweis und Links



Leben und Werk








Dr. Emden-Weinert created: 2009/6/6, last changed: 2017/04/25