Die Welt des Friedrich Gräsel

*1927 Bochum  † 2013 Osnabrück



Röhrenlandschaft Hockgrabental

Gräsels Röhrenlandschaft Hockgrabental an der Universität Konstanz aus dem Jahr 1975 (Wettbewerb: 1969) besteht aus drei Installationen, die über eine Achse von knapp 600m Länge verteilt sind. Gräsel schuf damit ein frühes Beispiel einer räumlich weit verteilten Skulptur, wie man sie auch von z.B. Erich Reusch (z.B. die Arbeit am Bundeswehrverwaltungszentrum München, 1979) oder Christo und Jeanne-Claude (z.B. Surrounded Islands, 1980, oder The Umbrellas, 1991) kennt.

Die erste Installation, eine vereinzelte Säule, wirkt wie ein Rufzeichen in der Landschaft: es zieht die Blicke auf sich. Es steht in der Nähe der Studentenwohnheime. Von hier aus zieht sich das sogenannte Hockgrabental, von Westen her durch einen Wald gesäumt, hoch zur Universität, die gewissermaßen auf einer Anhöhe thront und stets zu sehen ist.

Die zweite, mittige Installation macht die Struktur der Gesamtinstallation augenfällig: Gräsel bedient sich des Topos "Tor", das sich in der Kunst häufig findet (vgl. z.B. das Skulpturen-Special dazu auf zuzuku) und auch von Gräsel immer wieder verwendet wurde. Während das Tor häufig im übertragenen Sinn z.B. für die Öffnung zu etwas Neuem oder für einen Transformationsprozess steht, nutzt Gräsel es hier als Fokus: durch das Tor fällt der Blick - in jeder der beiden Richtungen - auf die jeweilige Installation der Röhrenlandschaft am Ende der Achse. Betont wird dies noch durch ein zusätzliches, zweites Element, ein längs ausgerichtetes Rohr, durch das man die andere Installation wie durch ein Zielfernrohr erkennt. Leider ist der Blick zwischen der zweiten und dritten Installation inzwischen durch hochgewachsene Bäume und Büsche verstellt.

Die dritte Installation, am Fuße des Universitätscampus, ist die komplexeste: während die erste Installation nur aus einer Säule besteht, die zweite aus zwei Elementen, umfasst sie drei Elemente. Die Skulpturengruppe - auf einer künstlichen Insel in einem Teich installiert - lädt zum Umwandern des Teiches ein, was dem Betrachter ganz unterschiedlichen Ansichten der Skulptur aus den verschiedenen Perspektiven offenbart. Ein Element der drei ist wieder ein Tor, das einlädt, die Insel zu betreten und unmittelbaren Kontakt mit den Röhrenskulpturen aufzunehmen.

Für Friedrich Gräsel ist die Röhrenlandschaft Hockgrabental nach eigener Aussage[1] seine wichtigste, seine bedeutendste Arbeit - und das gleich aus drei Gründen.


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Danksagung

Ich danke Herrn Professor Friedich Gräsel herzlich dafür, dass er so offen auf meine Frage, welche seiner Arbeiten er denn als sein Hauptwerk betrachten würde, einging.




Referenzen

[1] Friedrich Gräsel, private Kommunikation, 26. Juni 2009.
[2] Gerhard Charles Rump: Kunst und Demokratie - Anmerkungen zu Friedrich Gräsels Kunst im öffentlichen Raum. In: Friedrich Gräsel. Hrsg. Anja Ziebarth, Wienand Verlag, Köln, 2007 (mit Werk-Katalog auf DVD), S. 161-171.



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Thomas Emden-Weinert created: 2010/10/18, last changed: 2010/10/18