Die Welt des Eduardo Chillida

* 1924 San Sebastián † 2002 San Sebastián



Peines del Viento XV (1977)

Eduardo Chillida arbeitete von 1952 bis 1999 an einer Serie von insgesammt 23 "Windkämmen". Von besonderer Bedeutung war ihm aber eine Gruppe von drei Stahlskulpturen an der Felsküste am Westende der Bucht von San Sebstian, die 1977 installiert wurden. Tatsächlich handelt es sich hier - wie auch beim Plaza de los Fueros in Vitoria - um ein frühes Beispiel einer künstlerisch-ganzheitlichen Platzgestaltung nach dem spanischen Bürgerkrieg. Auch die enge Zusammenarbeit zwischen einem Künstler und einem Architekten - hier Chillidas Schulfreund Luis Peña Ganchegui - war zu dieser Zeit noch außergewöhnlich. So ist ein Ort entstanden, der nicht nur ein künstlerisch-visuelles Erlebnis vermittelt, sondern u.U. auch ein akustisch-sinnliches Natur-Erleben ermöglicht: Beim Bau der Plattform wurden darunterliegende Hohlräume zwischen den Felsen offen belassen. Diese Hohlräume sind dabei zum Meer hin offen. Nach oben hin durchstoßen Öffnungen wie Düsen die Plattform. Durch sie hört man bei schwerer See nicht nur die Brandung gegen die Felsen unter der Plattform schlagen. Die Gischt kann dann mit einer Fontäne durch die 7 Düsen peitschen. Die Zahl 7 wird dabei von den Basken als Symbol für die 7 baskischen Provinzen gelesen.

"Idealerweise stammen wir von einem Ort, haben unsere Wurzeln in einem Ort, aber unsere Arme strecken wir aus in die ganze Welt, lassen uns inspirieren von den Ideen der verschiedenen Kulturen." [Eduardo Chillida, übersetzt von www.eduardo-chillida.com]

"Seine Formen winden sich wie dreidimensionale Kaligraphien und beschränken sich nicht auf Selbstgefälligkeit."
[arteseleccion]

"(...) immer wieder variieren sie das Motiv des Festhaltens und Befreiens, des Öffnens und Einfangens. Besonders eindrücklich lässt sich dies in San Sebastián erleben: Just dort, wo der Atlantik auf die steilen Uferklippen brandet, wo die Elemente sich aneinander reiben, hat Chillida drei rostige Zangenwesen in den Fels gerammt, sie greifen aus in den Horizont, möchten halten, was nicht zu halten ist. Für ihn war dies der ideale Platz, er wollte seine Skulpturen nicht einkerkern in Museen, er wollte sie dramatisieren, damit sie zu Kunstorten werden, an denen sich das Grenzenlose am Begrenzten bricht."
[Hanno Rauterberg: Ein Kraftkünstler: Eduardo Chillida. DIE ZEIT, 35/2002]

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«Ich habe eine sehr besondere Verbindung zum Meer. Es weiß alles. Und weil ich es liebe, am Meer spazieren zu gehen, wie es ein Kind liebt, mit seinem Vater spazieren zu gehen, habe ich das Gefühl, ich bin mit dem Meer verbunden wie mit einem Meister. Das Meer ist sehr wichtig, denn das Meer kommt, es kommt mit einer sehr starken Beharrlichkeit, stets kämpft es gegen ein und das selbe an, immer gleich, immer verschieden. Warum?»
[Eduardo Chillida]

«Ich habe mir diesen Ort niemals ausgesucht. Der Ort hat mich ausgesucht.»
[Eduardo Chillida]

«In jedem Fall ist es ein leidenschaftlicher Wissensdurst, ein Fasziniertsein von dem Unbekannten und vielleicht dem Unerkennbaren sowie ein Hang, dem Unbekannten entgegenzugehen, der Eduardo Chillidas kreative Tätigkeit motiviert. Das Erschaffen des Kunstwerkes ist also nicht als Feststellung, sondern als Frage zu verstehen, als perplexe Reaktion, wie er sagt, auf die Ungewissheit über die Dinge.»
[Thomas M. Messer 1993]



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