Die Form in der Architektur

Die Skulptur hat ihrerseits nicht nur erkennbar Einflüsse aus der Architekturgeschichte aufgenommen und weiterentwickelt - so etwa die Konstruktivisten aus der Gotik -, sondern insbesondere auch begehbare, architektonische Werke geschaffen, die auf die Wahrnehmung des eigenen Körpers zielen - wie etwa bei Richard Serra oder Wilfried Hagebölling. Umgekehrt hat die Architektur im 20. Jahrhundert ausgeprägte skulpturale Qualitäten entwickelt. In den Ähnlichkeiten zwischen Skulptur und Architektur tritt, neben der Universalität der menschlichen Kreativität, ein gemeinsamer Grund zutage: die Sensibilität für die plastische Form und für ihre Wirkung auf die menschliche Empfindung.

Manch eigenwillige Form in der modernen Architektur, die dem Betrachter einer überdimensionalen Skulptur gleich entgegentritt, ist dabei erst durch technische Innovationen möglich geworden. So hat die Verwendung von Stahl kühne und monumentale ingenieurtechnische Konstruktionen möglich gemacht, als ein frühes Beispiel sei hier der Eiffelturm, 1889 fertiggestellt, genannt. Organische Formen wiederum, die rechte Winkel zu meiden versuchen, verdanken ihre Existenz letztlich (auch) moderner Konstruktionssoftware, die die aufwendige Statik und die Geometrie der Teile berechnet. Und wie die Skulptur, so nimmt auch die Architektur Anleihen in elementargeometrischem Formengut: es finden sich Pyramide, Kreis, Zylinder, Ellipsoid ebenso wie der Torus. Das China Central Television Station and Headquarters wiederum erscheint direkt durch ein Werk von Wilfried Hagebölling inspiriert.

»Es erscheint nicht sinnvoll zu sein, skulpturale Architektur als einen eigenständigen Stil zu bezeichenen sie sollte eher als biomorph, ausdrucksstark, organisch und zusätzlich in einer Art von monumentalem oder minimalistischen Rationalismus kategorisiert werden. Jedoch allein durch ihre Objekthaftigkeit, welche sie - oberflächlich gesehen - in die Nachbarschaft der monumentalen Bauweise einordnet, wiedersetzt sie sich jeglicher Form von Kategorisierung. Sie bleibt unabhängig, individuell und einmalig. Skulpturale Architektur ist kein selbständiges Genre noch ist sie eine Philosophie. Stattdessen ist sie das Ergebnis einer Haltung zum Design, einer Weltsicht oder einer völlig persönlichen Form-Idee.«
[Werner Sewing: Architecture: Sculpture. Prestel, 2004]

Am Ende erstaunt, wie viel doch schon sehr früh möglich war. Aus diesem Grund sind die skulpturalen Bauwerke auf dieser Seite in der Reihenfolge ihrer Fertigstellung bzw. ihrer Eröffnung angeordnet - von neu nach alt.




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